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Zustand & Atmosphäre 3: DOTE – »Swim«

Das Wetter und das Essener Label Weltgast machen gemeinsame Sache. »Zustand & Atmosphäre« ist eine audiovisuelle Plattform, auf der wir ab jetzt einmal im Monat einen Künstler aus unserem Umfeld präsentieren. Natürlich getreu der Unterzeile unseres Magazins. Heißt: Musik in Form eines Videos und ein Text, der sich lose darauf bezieht.

»Geht zur Seite. Ja, Ihr auch. Lasst uns durch.«
Text: Tristan Heming
 
Sie bilden eine Gasse und wir gehen vorbei. Nein, ich werde eher geschleift. Gern bin ich hier nicht. Ich trete dem Unvermeidlichen gegenüber: Meinem Ende. Wahnsinnig pathetisch, aber ich verrecke gleich. Ich kann mir das wohl erlauben.
 
Dabei hatte alles so schön begonnen. Mit ein paar Freunden ins Gasthaus, und wenn wir es alleine voll machten und die Vorräte leer, könnten wir auch mit niemandem aneinandergeraten. Natürlich weit gefehlt: Es kam wie immer schlimm.
 
Beim Betreten sahen einige schiefe Gestalten uns düster an. Es dauerte ewig, bis wir bewirtet wurden und was uns ganz fürchterlich bekam, war zum einen Teil kalt, zum anderen zu heiß und schwamm in ranziger Butter. Aber das waren wir hier gewohnt. Es war die einzige Stube der Gegend. Wenigstens mit der Sauce sparte der Besitzer nicht.

Die finsteren Männer hatten gerade aufgegessen, als wir ankamen, doch verließen sie den Ort nicht. Jeder von uns wusste, was das nicht bedeuten konnte. Aber an Schlechtes hatten wir uns ja gerade gewöhnt.
 
Am Abend leerten sich die Wege und als wir unser Lager aufschlugen, taten das auch die Anderen – gleich neben uns. Das alles war inzwischen eine seltsame Klamotte. Seit der ersten Sekunde wusste jeder, was geschehen würde. Meine Lebensgeschichte würde ein weiteres peinliches, klischeebeladenes Kapitel erhalten, das ich niemandem würde erzählen können, ohne Gefahr zu laufen, dass sie wegdämmerten. Wundervoll. Schläfst du schon?
 
Als irgendein bedeutungsloses Gemeckere dann weit genug hochgekocht war, um aus der Belagerung in den offenen Kampf zu treten, traf es mich unvorbereitet. Bis zuletzt dachte ich, wir würden das verhindern können. Einfach wegducken, ruhig sein, beschwichtigen? Doch ich war nur einer von vielen. Einer von vielen Dummen.
 
Von einem Faustschlag aus dem gedämpften Brei in meinem Kopf gerissen sprang ich nach kurzem Zögern auf die Füße und nahm die Beine in die Hand. Ganz schön viele Körperteile für eine feige Flucht. Als ich zurückkehrte, lag der Feind am Boden. Meine Kumpanen begutachteten die Beute: Getränke, Speisen und ein Ball. Doch sie ließen sich schnell ablenken.
 
Und nun stehe ich hier. Mein Schafott ist die höchste Klippe der Gegend, oben wie unten stehen jubelnde Massen und rufen.
„Spring!“
Ich schaue mich um. 
„Was ist los, hast du Angst? Jeder muss da durch. Ob jetzt oder in 50 Jahren. Du musst halt jetzt.“ Mein vormals bester Freund umarmt mich. Es ist klar, dieser Pakt war von seiner Seite getrennt worden, aber jetzt löse ich auch meinen.
 
Und löse mich von der Klippe, von der Welt. Ich fliege. Ich schlage auf. Dunkelheit, wir alle kennen das ja, dann ein Licht. Meine Güte.
 
Ganz schön kalt hier unten.

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»Ein längst stilbildendes Organ für ästhetische Zeitgenossenschaft.«
Felix Stephan, DIE WELT






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