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Xatar ist der »Baba aller Babas« [Video + Tour]

 

Aufmerksame Leser dieses Magazins wissen Bescheid: wir lieben Gangsta Rap. Noch immer verkennen zu viele sogenannte Musikfreunde die lyrischen Qualitäten und den gesellschaftlichen Gehalt, der harter Rap-Musik mitsamt all ihrer gehaltvollen Räuberpistolen, schockierenden Gewaltfantasien und traurigen Erzählungen innewohnt. Ja, manchmal transportiert diese Musik tatsächlich ein antiquitertes Bild von männlicher und weiblicher Sexualität. Dennoch, und auch deswegen, ist vor allem Gangsta Rap als die große, öffentlich sichtbare Erzählkunst der ansonsten stumm Geschalteten momentan, wo nun absurderweise tatsächlich Künstler wie Haftbefehl und Schwesta Ewa zu Feuilleton-Lieblingen avancieren, extrem relevant.

Aus diesem Grund erscheint es uns völlig logisch, dass die erste Tour, für die wir als Mitpräsentator bewerben, die erste große Live-Sause des „Babas aller Babas“ ist. Xatar also? Genau. Der Bonner MC, der außerhalb der Rap-Welt vor allem deswegen Ruhm erlangte, weil er gemeinsam mit mehreren Kollegen einen Geldtransporter ausraubte und die letzten Jahre im Gefängnis verbracht hat, wird von Das Wetter präsentiert. Und warum, mag so mancher Skeptiker fragen, gebt ihr dem eine Plattform?

Xatar ist schlicht und ergreifend eine schillernde Figur. Eine Figur, die in seiner Vergangenheit Fehler begangen hat, aber selbstverständlich mehr ist als die Summe seiner Fehler. Wir, die wir uns vor allem als Musik-Liebhaber begreifen, sehen in Xatar jedoch vor allem einen spannenden Musiker, der auf seinem Label Alles Oder Nix Records mit Ssio einen der witzigsten Rap-Künstler der jüngsten Vergangenheit und mit Schwesta Ewa die beste weibliche Vertreterin ihrer Zunft veröffentlicht hat (während er im Gefängnis saß, wohlgemerkt), Geschichten für mindestens zwei Leben zu erzählen hat und mit seinem Label überdies sehr stringent und kompromisslos eine Vision vorantreibt, die den Großteil seiner Konkurrenz in Sachen Musikalität und Zeitlosigkeit problemlos in den Schatten stellt.

Selbiges gilt auch für seine Comeback-Video-Single „Original“, mit der Xatar vor allem seine neu gefundene Freiheit zelebriert. Vor allem aber zeigt es, dass der „Bira“ seine Inszenierung perfekt unter Kontrolle hat. Es wird mit Statussymbolen geprotzt (Dubai, Sportwagen, Maßanzüge), aber gleichzeitig durch glitzernde Goldzähne die übertriebene Comic-Stilistik des Clips verdeutlicht. Außerdem sprüht eine Frau in Burka ein „Alles Oder Nix“-Tag an die Wand und ganz am Schluss gibt Xatar (dessen kurdische Eltern erst aus dem Iran und dann, nachdem sie von Saddams Schergen gefoltert wurden, aus dem Irak flohen, bevor sie mit ihrem Sohn nach Bonn auswanderten) noch kurz und bündig sein Verdikt zum sogenannten Islamischen Staat ab. Kurzum: Das ist großes Kino, mit mehr inhaltlichem Gehalt als man auf den ersten Blick erkennt!

Xatars kommendes Album erscheint am 01. Mai. Der Vorverkauf für die Tour ist bereits gestartet. Hier könnt ihr Tickets bestellen!

 

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»Ein längst stilbildendes Organ für ästhetische Zeitgenossenschaft.«
Felix Stephan, DIE WELT






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